Gruppen entwickeln oft eine Eigendynamik, die nicht zu unterschätzen ist. Besonders dann, wenn sogenannte „Pseudoexperten“ ihr gefährliches Halbwissen verbreiten und andere darauf anspringen.

Großfeuer in einer Holzhandlung und was daraus gemacht wurde

Im Juli 2012 brach ein Großfeuer in einer Holzhandlung einer großen Stadt aus. Schnell schlugen die Flammen bis zu 6 Metern und höher. Noch am nächsten Morgen waren die Löschkräfte im Einsatz. Feuerwehren aus dem gesamten Umfeld eilten herbei, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen und ein Übergreifen auf andere Gebäude zu verhindern. Selbst der Katastrophenschutz war vor Ort, denn eine Tankstelle in der Nähe war gefährdet und musste gekühlt werden.

Das Feuer griff schließlich auf einen Supermarkt über, auch eine Schreinerei und eine KFZ-Werkstatt wurden, laut Meldungen, Opfer des Brandes. Verletzt wurde „nur“ ein Feuerwehrmann in Ausübung seines Amtes. Gott sei Dank nur leicht.

Soweit so gut. Ein normales Feuer, das es immer wieder gibt und auch immer wieder geben wird.

Hinter den Kulissen – Diskussionen, Vorwürfe und mehr

Was aber ging hinter den Kulissen ab? „Pseudoexperten“ verteilten ihr gefährliches Halbwissen in diversen Gruppen und schürten somit die Meinung leicht beeinflussbarer Leute, dass da gehörig was schief gelaufen sein musste.

Stimmen wurden laut, dass die Feuerwehr kein Löschwasser gehabt hätte, weil die Hydranten auf dem Betriebsgelände nicht funktionierten. Diskussionen entstanden, wer dafür verantwortlich sein. Schnell wurden auch Rufe laut, dass der Besitzer der Holzhandlung seine Finger im Spiel gehabt hätte. Die Brandschutzrichtlinien nicht eingehalten hätte und auch für die angeblich nicht funktionierenden Hydranten verantwortlich sei.

Von anderen Stellen wurden der Feuerwehr massive Fehler vorgeworfen. Es sei zu spät evakuiert worden. Sie hätten die Wartung der Hydranten nicht regelmäßig durchgeführt. Sie wären unfähig gewesen und hätten viel zu spät mit dem Löschen angefangen. Diese und viele weiteren unqualifizierten Äußerungen konnte man in diversen Facebook-Gruppen, und auch in den Kommentaren der örtlichen Online-Presse lesen. Es scheint, als sei ein zweiter und dritter Brandherd ausgebrochen. Und zwar in der Presse und in diversen Kommunikationsgruppen der sozialen Netzwerke. Meiner Meinung nach sind diese Brände weitaus gefährlicher als das Feuer in der Holzhandlung und in den umliegenden Betrieben.

Ein weiteres Problem stellen die Witzemacher dar, die solche Ereignisse mit geschmacklosen Bemerkungen kommentieren. „Endlich mal was los in ……“ Morgen gibt es Holz mit Schmauchspuren zum halben Preis. Alles andere das KG 2 Euro!“ „Ah, der Supermarkt hat ab morgen Rauchfleisch im Angebot“ Und viele andere Kommentare, die den Ernst der Situation verwitzeln. Auch hier wird Schaden angerichtet. Denn viele Menschen haben in der betroffenen Region Angehörige wohnen, oder in den Betrieben arbeiten. Existenzen stehen auf dem Spiel. Angst vor Existenzverlust macht die Runde und wird von den Witzlern und „Pseudoexperten“ noch geschürt.

Dass Schaulustige die Löscharbeiten behinderten und die Bereitschaftspolizei anrücken musste, wird hier mit keinem Wort erwähnt.

Die Folgen eines Großbrandes

Die Hetzkampagne ist im vollem Gange und schädigt vermutlich mehr, als es Feuer und Löschwasser jemals könnten. Denn nach dem Feuer kommt die Untersuchung. Durch unzureichende und nicht neutrale Berichterstattung von Presse wie auch von „Pseudo-Experten“wird hier bereits weit im Voraus ein Urteil gefällt, das den Verlauf der Untersuchungen negativ beeinflussen kann.

So eine Gruppendynamik kann einen Großbrand schnell zu einem unkontrollierbaren Inferno werden lassen. Denn welcher der „Pseudo-Experten“ steht finanziell dafür gerade, wenn durch Beeinflussung die Versicherungen nicht zahlen und Existenzen wirklich auf dem Spiel stehen und vernichtet werden?

Der wilde Westen im Social Media

Es erinnerte mich an einen alten Western, den ich kürzlich gesehen habe. Da riefen alle Bewohner einer Stadt „Hängt ihn, hängt ihn!“ Der vermeintliche Täter wurde ohne Verhandlung erhängt und erst später wurde der wahre Täter gefangen und nach einer ordentlichen Gerichtsverhandlung verurteilt.

Was hat das mit Social Media zu tun, werden Sie sich sicherlich gerade fragen. Die sozialen Netzwerke sind ein Kommunikationsmittel, das schnell und ohne Zeitverlust Nachrichten aus aller Welt befördert. Eine Falschaussage kann hier innerhalb von Sekunden große Menschenmassen erreichen und die öffentliche Meinung beeinflussen. Denn in den Köpfen der Menschen herrscht immer noch: „Das was da steht, muss die Wahrheit sein!“

Leider nur zu selten denken Menschen erst einmal nach, über das, was da steht. Sie wollen mitreden, die Gunst der Stunde nutzen und sich dadurch Gehör verschaffen. Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne darüber nachzudenken, welche Folgen gerade ihre Aussage haben könnte. Der Großbrand ist hier ein perfektes Beispiel, das stellvertretend für alle anderen Situationen steht, wo gefährliches Halbwissen von „Pseudo-Experten“ großen Schaden anrichten kann.

Bildnachweise: Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.pixabay.com

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